Rheinische Post - Mönchengladbacher Stadtpost - Mittwoch, 12. Februar 2014

JHQ-Pläne: Jetzt gehtís ans Eingemachte


von Jan Schnettler und Inge Schnettler

Mönchengladbach (RP). Freizeitpark, Festivalgelände, Golfplatz, Anlaufstelle für Asylbewerber? In der Bezirksvertretung West stellte die Stadt am Dienstag erstmals die diversen Nachnutzungs-Ideen für das JHQ-Gelände vor. Schon bald fallen erste Entscheidungen.

Noch ist es nur ein Sachstandsbericht. Doch spätestens seitdem die diversen Nachnutzungsideen für die Joint Headquarters (JHQ) gestern in der Bezirksvertretung West und somit erstmals in der politischen Beratungsfolge aufgeschlagen sind, ist klar: Hinter den Kulißen bewegt sich so einiges, und da auch der Faktor Zeit bei einigen Projekten nicht unwichtig ist, sind erste konkrete Ergebniße nur noch eine Frage der Zeit. Ein überblick über die möglichen Nachnutzungen, die über bloße Renaturierung und Windpark hinausgehen:

ERSTUNTERBRINGUNGSEINRICHTUNG FÜR ASYLBEWERBER Diese Nutzungsvariante, die keine der anderen Optionen beeinträchtigen würde, ist - wie bereits berichtet - laut einer Machbarkeitßtudie möglich, bedarf jedoch einer Investition seitens des Landes. Die Rede ist von 5 Millionen Euro. Da das Land dringend nach einer entsprechenden Fläche sucht, geht die Stadt davon aus, daß noch im ersten Quartal eine definitive Entscheidung fällt. Erhält die Stadt den Zuschlag, könnte sie ihre bestehenden und über mehrere Standorte verteilten Flüchtlingseinrichtungen sukzeßive schließen, auf Neubauten verzichten und müßte selber keine neuen Flüchtlinge mehr aufnehmen. In dem betreffenden Bereich des JHQ könnten bis zu 500 Asylbewerber untergebracht werden.

CHIRON ALL GLOBE Von den Plänen für diese Synthese aus Hotel, Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen, Gastronomie, Sport, Kunst und Meditationsflächen hatte die RP bereits im Herbst berichtet. Dahinter stehen zwei Gladbacher Künstler, die bis dato weder ein fundiertes Finanzierungskonzept noch einen Investor haben aufzeigen können. Prognose: Die Realisierungschancen gehen deshalb gegen Null.

4 SEASONS Das Konzept für einen als "größten überdachten Garten der Welt" konzipierten Riesen-Freizeitpark mit Hochbahn klingt ähnlich abenteuerlich wie das von Chiron - mit dem kleinen, aber feinen Unterschied, daß dahinter eine Investorengruppe aus dem saudi-arabischen Königshaus steht. Und in deren Auftrag sucht die Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Landes, NRW Invest, konkret an mehreren Stellen nach einer geeigneten Fläche. Die Saudis haben der Stadt und dem JHQ-Gelände bereits einen Besuch abgestattet. Der Gesamt-Grundflächenbedarf beträgt, angelehnt an ein Modell aus Katar, 38 Hektar, maximal wohl 60. Das bedeutet: Es bliebe noch genug Platz für andere Nutzungsoptionen, die im Idealfall von der noch zu schaffenden Infrastruktur gleich mit profitieren könnten. Die Realisierungschancen schätzten Experten hinter vorgehaltener Hand zwar noch irgendwo zwischen fünf und zehn Prozent ein. Dies könnte mittlerweile aber schon anders außehen. Mit einer offiziellen Bewertung hielt sich die Verwaltung gestern jedenfalls noch zurück. Zumal die Investoren nicht nur Mönchengladbach, sondern auch andere Standorte für ihr Projekt ins Auge gefaßt haben.

FESTIVALGELÄNDE LIEBERBERG Die Konzertagentur Marek Lieberberg (MLK) hat in Verbindung mit Campo Event Engineering das bisher detaillierteste, profeßionellste und ausgegorenste Konzept vorgelegt, inklusive Verkehrs- und Campingplatz-Planung. 82 000 Besucher und 28 500 weitere Tagesbesucher für mehrtägige Musikfestivals "a la Rock am Ring" könnten so transportiert und untergebracht werden. Der Platzbedarf liegt bei 16 Hektar. Mit einer Einschätzung zu den Realisierungschancen geizte die Verwaltung gestern ebenfalls. Nur soviel: Die verkehrliche Abwicklung stelle eine große Herausforderung dar.

FESTIVALGELÄNDE HOCKEYPARK Auch die Hockeypark GmbH um Michael Hilgers hat ein detailliertes Konzept erstellt, das neben Musik- und Kultur- auch Freizeit- und Sportnutzungen beinhaltet.

WALDBÜHNE Noch recht neu in der Verlosung ist ein privater Investor, der nach Vorbild der Berliner Waldbühne eine Open-Air-Bühne in Form eines Amphitheaters errichten will. Ein Finanzierungskonzept und eine Detailplanung fehlen.

GOLFPLATZ 40 Hektar im dem Bereich zwischen Big House und Kirchen will ein Investor für einen Golfplatz nutzen. Ebenso wie die Waldbühne befindet sich auch dieser Fall im Stadium einer bloßen Voranfrage. Auch für dieses Projekt fehlen ein Finanzierungskonzept und eine Detailplanung.



Entnommen aus der Rheinischen Post, Ausgabe Mönchengladbach, 12. Februar 2014

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