Rheinische Post - Mönchengladbacher Stadtpost - Samstag, 18. April 2026
Abschiebegefängnis, Bundeswehr und mehr - das soll ins JHQ
Nach mehr als zwei Jahren liegt die Machbarkeitsstudie zu dem ehemaligen Militärareal vor.
Wer und was dort alles Platz finden soll, hat sich in der Zeit mehrfach verändert.
Wie die Flächen nun genutzt werden sollen und warum die Stadt leer ausgeht.
von Carsten Pfarr
Mönchengladbach (RP).
Das Gelände ist mehrere Hundert Hektar groß - aber nur ein Teil wird noch aktiv genutzt.
Viel Potenzial sehen Stadt, Land und Bund im ehemaligen JHQ ("Joint Headquarters") im Westen von
Mönchengladbach.
Und deshalb soll das ehemalige Militärareal, das die Streitkräfte vor mehr als zehn Jahren verlassen haben,
weiterer Nutzung zugeführt werden.
Die Ideen waren vielfältig, sogar für einen Freizeitpark oder das Festival "Rock am Ring"
waren die Flächen im Gespräch.
Doch daraus wurde und wird nichts.
Nun gibt es neue Pläne, für die eine kürzlich fertiggestellte Machbarkeitsstudie die Weichen stellt.
In Auftrag gegeben hatte die Studie das Land Nordrhein-Westfalen;
genauer gesagt der landeseigene Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB).
Die Stadt Mönchengladbach
steuerte 15.000 Euro bei, bei denen es sich um einen kleinen Teil der Gesamtkosten handelt.
Wie hoch die sind, konnte der BLB am Freitag auf Anfrage zunächst nicht beantworten.
Beauftragt mit der Machbarkeitsstudie wurde die Entwicklungsgesellschaft "NRW.Urban",
eine Tochter des Landes, die im Dezember 2023 ihre Arbeit aufnahm und nun - fast zweieinhalb Jahre später - erstmals
öffentlich die Ergebnisse präsentierte.
Der Grund für die Machbarkeitsstudie
Wie Jens Kohnen von "NRW.Urban" in der Bezirksvertretung West berichtete,
waren zunächst zwei Nutzungsziele für die freien Flächen im JHQ vorgesehen:
eine sogenannte "Rotationsanstalt" und ein Gewerbegebiet.
Bei der Anstalt handelt es sich um ein Gefängnis,
in dem Häftlinge aus anderen Einrichtungen untergebracht werden, wenn diese saniert werden müssen.
Von den Gewerbeflächen - vorgesehen waren 50 Hektar und mehr - hatte sich die Stadt viel versprochen.
Seinerzeit waren nur etwa 150 des knapp 380 Hektar großen JHQ in Nutzung:
Polizei und Zoll übten im Osten des Areals, eine Erstaufnahmeeinrichtung betreibt das Land im Norden.
"NRW.Urban" hatte die Aufgabe,
die Umsetzung und Vereinbarkeit der weiteren Nutzungen auf dem Gelände zu prüfen.
Es sei unter anderem um Planungsrecht, Naturschutzrecht und Verkehrsanbindung gegangen, sagte Kohnen.
"Das ist ein ökologisch wertvoller Bereich", betonte er und führte aus:
"Wir mussten alle Themen des Naturschutzes beachten und genau untersuchen."
Der gesamte Westen des Areals ist Landschaftsschutzgebiet, auch im Osten gibt es solche Flächen.
Im Westen und Süden sind Naturschutzgebiete sowie Fauna-Flora-Habitat-Gebiete ausgewiesen.
Und dann gibt es noch die Biotope am Haus Hellbach und am Knippertzbach.
Dafür sollte und soll das JHQ genutzt werden
Bei den zunächst vorgesehenen Nutzungen sollte es aber nicht bleiben.
Statt der "Rotationsanstalt" sollte nun ein Abschiebegefängnis, das mit unter zehn Hektar kleiner ist,
ins JHQ.
"Also haben wir das entsprechend entwickelt", sagte Kohnen.
Im September 2025 habe "NRW.Urban" dann ein Konzept vorgelegt - und musste es nach dem Moratorium wieder umwerfen.
Der Bund hatte seinerzeit Maßnahmen an 200 ehemaligen Militärgeländen in Deutschland ausgesetzt.
Sie durften also weder verkauft noch einer neuen Nutzung zugeführt werden.
Auch das JHQ war betroffen.
Bund und Land einigten sich, das Gelände untereinander aufzuteilen,
um die bisherige Nutzung (Übungsgelände und Erstaufnahmeeinrichtung) zu halten und den Weg freizumachen
für das Abschiebegefängnis.
Die übrige Fläche beansprucht seither die Bundeswehr für sich.
Kasernen sollen gebaut werden, heißt es. Bestätigt ist das noch nicht.
Die Entscheidung traf vor allem die Stadt:
"Das Gewerbe als Nutzung ist aus dem Untersuchungsraster gefallen, weil kein Platz mehr vorhanden war",
sagt Kohnen.
Die Entwicklungsgesellschaft schloss die Studie daraufhin mit der neuen Nutzung (ohne Gewerbegebiet) ab und
übergab sie dem BLB als Auftraggeber.
Ein Ergebnis ist das Strukturkonzept für das Areal.
Es zeigt, wo welche Nutzung Platz finden könnte - und dass sie dort auch unter Gesichtspunkten des Naturschutzes
möglich ist.
Aufteilung des ehemaligen Militärgeländes
Das Abschiebegefängnis soll mittig in der westlichen Hälfte des Areals gebaut werden.
Die Übungsfläche des Zolls liegt nun im Südwesten, die Polizei bleibt im Nordosten.
Das stehe weder dem Naturschutz noch der potenziellen Nutzung für Windenergie entgegen, sagt Kohnen.
Zur Erklärung:
In der östlichen Hälfte des JHQ ist ein Gebiet als "Windenergiebereich" ausgewiesen.
Dort könnten also Windräder gebaut werden.
Das Gros der verbleibenden Fläche ist der Bundeswehr vorbehalten.
Laut "NRW.Urban" sind es ungefähr 130 Hektar.
In der Studie nicht berücksichtigt ist das einstige Krankenhausgelände an der Grenze zu Wegberg,
auf dem aktuell Abrissarbeiten laufen und das ebenfalls vom Bund genutzt werden soll.
Baustart frühestens in mehreren Jahren
Wie es auf dem JHQ-Areal in den nächsten Monaten und Jahren weitergeht, ist noch unklar.
Laut Annette Pfennings, Konversionsflächenbeauftragte der
Stadt Mönchengladbach,
sieht das Land für den Bau des Abschiebegefängnisses ein normales Bauleitverfahren vor,
das noch am Anfang stehe.
Bis die Bagger rollen, dauere es also noch mindestens anderthalb bis zwei Jahre.
Auch vom Bund gebe es derzeit keine baulichen Maßnahmen.
Die Soldaten übten in den Bestandsgebäuden, sagt Pfennings.
Erst im März hatte die Bundeswehr das JHQ für einen Teil einer groß angelegten übung genutzt.
Es wird nicht das letzte Mal gewesen sein.
Die Machbarkeitsstudie zum JHQ steht auf der Tagesordnung der nächsten Sitzung des Ausschusses für Planung,
Bauen und Stadtentwicklung. Vorgetragen wird der Abschlussbericht.
Der Fachausschuss tagt am Dienstag, 21. April, ab 15 Uhr im Ratsaal von Rathaus Abtei in der Gladbacher Innenstadt.
Die Sitzung ist öffentlich.