Rheinische Post - Mönchengladbacher Stadtpost - Freitag, 10. Juli 2026

JHQ könnte für Wehrdienstler genutzt werden


Die Bundeswehr hat ihre Pläne für das ehemalige Militärgelände im Westen Mönchengladbachs konkretisiert. Bis die finale Entscheidung fällt, dauert es aber noch etwas. Was bisher bekannt ist und was nicht.


von Carsten Pfarr
Mönchengladbach
Einstige Militärflächen in Mönchengladbach könnten künftig für die Unterbringung und Ausbildung neuer Wehrdienstleister genutzt werden. Das geht aus einer Mitteilung des Bundesverteidigungsministeriums hervor. Demnach gehören die "Joint Headquarters" (JHQ) zusammen mit dem "Wegberger Komplex" zu den acht Liegenschaften, "die sich für diese Zwecke besonders gut eignen und bereits in der Vergangenheit militärisch genutzt wurden", wie es heißt.

Insgesamt hatten die Bundeswehr und die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) mehr als 200 Liegenschaften in ganz Deutschland untersucht. Manche fielen aus dem Raster, andere werden noch weiter überprüft. Bis Ende dieses Jahres soll dieser Prozess abgeschlossen sein. Erst dann fällt auch die Entscheidung, ob die Grundstücke in Mönchengladbach wirklich für den Neuen Wehrdienst genutzt werden. Gleiches gilt für die ebenfalls als geeignet eingestuften Areale in Boostedt (Schleswig-Holstein), Cuxhaven (Niedersachsen), Speyer (Rheinland-Pfalz), Kusel (Rheinland-Pfalz), Friedberg (Hessen), Sigmaringen (Baden-Württemberg) und Soest (NRW).

Zum Hintergrund: Die Bundeswehr will wachsen. Bis 2035 soll sie über mindestens 260.000 Zeit- sowie Berufssoldaten sowie 200.000 Reservisten verfügen. Diese Streitkräfte benötigen aber Platz, den die Bundeswehr aktuell nicht hat. Also hat sie sich auf die Suche nach potenziell geeigneten Liegenschaften gemacht - und den Verkauf beziehungsweise die Umwandlung von ehemaligen Militärgeländen gestoppt. Das war im Oktober 2025. 40 Liegenschaften - dazu zählt auch die Niederrheinkaserne, auf der ein Busbetriebshof entsteht - sind mittlerweile wieder freigegeben, wie das Ministerium jetzt mitteilt. Die übrigen 174 werden weiterhin untersucht.

Wie genau das seit mehr als zehn Jahren leer stehende JHQ-Hauptareal und der Wegberger Komplex, auf dem aktuell das alte Krankenhaus abgerissen wird, genutzt werden sollen, ist noch unklar. Das Bundesverteidigungsministerium spricht von einem "Standortübungsplatz". Ob das den Neubau oder die Reaktivierung von Kasernengebäuden zur Folge hat, ob Soldaten in Mönchengladbach stationiert werden und welche Übungen potenziell im JHQ durchgeführt werden, lässt eine Ministeriumssprecherin auf Anfrage unbeantwortet. Sie verweist darauf, dass die "Prüfungs- und Entscheidungsprozesse noch nicht abgeschlossen" seien und man diesen nicht vorweggreifen könne.

Auch die Frage nach dem Flächenbedarf lässt die Sprecherin unbeantwortet. Im November hatte der Bund noch erklärt, dass zwei Teilflächen des JHQ mit einer Größe von insgesamt etwa 150 Hektar für die Bundeswehr genutzt werden sollten. Die weiteren Flächen können von Land und Zoll genutzt werden. Das Land betreibt auf dem JHQ bereits eine Erstaufnahmeeinrichtung für Geflüchtete, lässt die Polizei dort trainieren und will zudem ein Abschiebegefängnis errichten. Der Bundeszoll trainiert ebenfalls auf dem weitläufigen Areal.

Dass bis Ende des Jahres eine Entscheidung fallen soll, begrüßt Mönchengladbachs Oberbürgermeister Felix Heinrichs (SPD): "Wir brauchen schnell Klarheit, was genau im JHQ auf Mönchengladbacher Stadtgebiet und dem ehemaligen RAF-Militärhospital auf Wegberger Stadtgebiet stattfinden kann." Er betont dabei aber auch, dass der Wegfall des JHQ als Gewerbefläche für den Strukturwandel "ein großes Loch in unsere Entwicklungsplanung reißt, das wir gerade zu kompensieren versuchen". Den Bedarf der Bundeswehr respektiere die Stadt: "Wir tragen gemeinsam Verantwortung für die Verteidigung unseres Landes innerhalb der Nato-Partnerschaft."

Sollten im JHQ Kasernen gebaut werden, um Wehrdienstler und weitere Soldaten unterzubringen, sieht Heinrichs durch die Menschen und die Arbeitsplätze im Stadtgebiet eine Wertschöpfung. Auch der CDU-Landtagsabgeordnete Jochen Klenner spricht von einer "Belebung". "Es ist gut, wenn Menschen ins JHQ und damit in die Stadt kommen. Auch das bringt Wirtschaftlichkeit, wenngleich nicht annähernd so groß wie bei einem Gewerbegebiet."

Das Bundesministerium gibt an, dass vor einer abschließenden Entscheidung über die militärische Reaktivierung noch "Standortdialoge" stattfinden sollen, "um auch die Interessen vor Ort in die Planungen mit einzubeziehen und diese soweit möglich auch entsprechend zu berücksichtigen". Wann genau das passiert, ist noch unklar. Unbekannt ist auch, wie schnell die ersten Wehrdienstler im JHQ starten könnten. Die Sprecherin des Verteidigungsministeriums lässt auch diese Frage unserer Redaktion unbeantwortet. Das Ministerium schreibt in seiner Mitteilung, dass mögliche neue Bundeswehr-Standorte durch das Infrastrukturbeschleunigungsgesetz bei Bedarf "zügig" wieder in die militärische Nutzung überführt werden können.


Entnommen aus der Rheinischen Post, Ausgabe Mönchengladbach, 10. Juli 2026


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