Rheinische Post - Mönchengladbacher Stadtpost - Mittwoch, 18. Juli 2026

Stadt plant bis zu 30 Hektar großes Gewerbegebiet in Rasseln


Weil das Ex-Militärgelände JHQ nicht mehr infrage kommt, suchen die Planer händeringend nach Alternativen, um Firmen in Mönchengladbach anzusiedeln. Auch für ein Prestigeprojekt braucht es weitere Flächen. Die sind nun offenbar gefunden. Und auch außerhalb der Stadtgrenzen passiert etwas.


von Carsten Pfarr
Mönchengladbach
Beschaulich ist wohl der richtige Ausdruck, wenn es um die Honschaft Rasseln im Mönchengladbacher Norden geht. Nur knapp 500 Meter liegen zwischen dem Ortseingangs- und dem Ortsausgangsschild. Links und rechts der Straße gibt es alte Bauern- oder Fachwerkhäuser, aber auch frei stehende Einfamilienhäuser sowie ein paar Unternehmenssitze. Jenseits der Gärten liegen hektarweise Felder. Eine einzige Straße - "Rasseln" - führt durch den Ort. Im Norden wird sie zur Hardter Straße, ist dann offiziell Viersener Stadtgebiet und wird dort noch bis Jahresende durch eine Baustelle an der Brücke über die A61 blockiert. Im Südwesten heißt sie L39 und führt nicht nur in Richtung Hardt-Mitte, sondern auch auf die A52.

Rasseln ist eine dieser vielen kleinen Honschaften, die im Außenbereich der Stadt liegen und einen ganz besonderen Charme haben. Diese Orte, denen man ihre landwirtschaftliche Geschichte deutlich ansieht, in denen nicht viel, aber genug los ist. Für Rasseln wird sich das aber ändern. Denn die nördlich gelegenen Felder sollen zu einem Gewerbegebiet entwickelt werden. Der Rat hat den Kauf der Flächen im nicht-öffentlichen Teil seiner jüngsten Sitzung beschlossen, wie ein Stadtsprecher auf Anfrage bestätigt.

Demnach geht es um drei Gebiete, die alle westlich der A61 und nördlich der Bebauung in Rasseln liegen. Die Hauptfläche umfasst 235.600 Quadratmeter (also 23,5 Hektar). Dazu kommen zwei weitere Flächen (31.000 und 27.000 Quadratmeter), die optional gekauft werden können. Nach Informationen unserer Redaktion sollen die Optionsflächen nur erworben werden, wenn sie für Gewerbe genutzt werden können, was noch nicht sicher feststeht. Der Kaufpreis soll marktüblich sein. Heißt: Es fließen beim Kauf zunächst etwa 2,5 Millionen Euro. Die städtische Entwicklungsgesellschaft EWMG erwirbt die Flächen "geschäftsbesorgend" für die Stadt Mönchengladbach. Durch den Ratsbeschluss kann die EWMG den Kauf jetzt abwickeln. Die Öffentlichkeit wird den Angaben zufolge beim Bauleitverfahren beteiligt.

Die Stadt begründet das Vorhaben mit dem strukturwandelbedingten Flächenbedarf. Der ist jüngst sogar noch verschärft worden, weil der Bund das ehemalige Militärgelände JHQ ("Joint Headquarters") für sich beansprucht und nur dem Land eine Nutzung einräumt. Das Areal ist mehrere Hundert Hektar groß. Die Stadt wollte dort - zumindest in Teilen - ein Gewerbegebiet entwickeln, war aber nie selbst im Besitz der Flächen. Durch die veränderte Sicherheitslage und den Plan, die Bundeswehr deutlich aufzustocken, will der Bund seine (ehemaligen) Militärgelände aber nur noch in Ausnahmefällen abtreten. Das JHQ könnte künftig für den Neuen Wehrdienst genutzt werden, hatte das Bundesverteidigungsministerium kürzlich mitgeteilt. Bis Ende des Jahres soll die entsprechende Prüfung abgeschlossen sein.

Die Stadt hat das JHQ zwar noch nicht ganz abgeschrieben, kann es in der Planung aber nicht mehr berücksichtigen. Also startete die Suche nach alternativen Flächen, die groß genug und zusammenhängend sind und zum Gewerbegebiet entwickelt werden können. Das Problem: Davon gibt es kaum welche im Stadtgebiet. Bei der Suche nach Ersatzstandorten waren und sind auch das Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie (MWIKE) des Landes NRW sowie die Bezirksregierung Düsseldorf eingebunden.

Für die Stadt drängt die Zeit, denn sie braucht einen weiteren Standort für den "T7-Park" ("Textilfabrik 7.0"), der ein Transformationsprojekt für Textil- und Bekleidungsindustrie ist. Im März dieses Jahres war der sogenannte "Kick-off" für den T7-Standort im Monforts Quartier. Oberbürgermeister Felix Heinrichs (SPD) erklärte seinerzeit, dass für einen zweiten Standort zwei weitere Flächen zur Auswahl stehen. Die Stadt müsse noch 2026 eine Entscheidung treffen, "denn wir müssen die Förderanträge mit einer konkreten Fläche stellen". Der Rathaussprecher bestätigt jetzt: Die Flächen in Rasseln sind als mögliche Alternative für die T7 identifiziert worden. Die Entwicklung der Flächen soll "mit Unterstützung des Landes prioritär vorangetrieben werden". Geschaffen und gesichert werden sollen "neue, innovative und nachhaltige Arbeitsplätze am Wirtschaftsstandort Mönchengladbach". Das T7-Projekt trage zur "nachhaltigen Stärkung der regionalen Wirtschaftsstruktur bei und fördert zugleich die Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit".

Rasseln ist aber nicht die einzige Adresse, an der ein Gewerbegebiet entstehen soll. 70 Hektar der Mönchengladbacher Gewerbeflächenbedarfe sollen - gemeinsam mit 23 Hektar der Jüchener Bedarfe - auf einem interkommunalen Gebiet entstehen. Das Land will das Projekt unterstützen und daher in sein Entwicklungsprogramm "Go4Gewerbe" aufnehmen.

Der dabei entstehende Industriepark "Elsbachtal-Ost" liegt östlich der B59. 55,5 Hektar sind Grevenbroicher und 37,5 Hektar Jüchener Stadtgebiet. Mönchengladbach selbst steuert also keine Flächen aus seinem Stadtgebiet bei, nur die Anteile seiner im Regionalplan nachgewiesenen Gewerbeflächenbedarfe.

OB Heinrichs spricht von einer "Win-Win-Situation". Mönchengladbach brauche "nachweislich mehr Gewerbeflächen, als es innerhalb seiner Stadtgrenzen realisieren kann". Da liege der Gedanke einer Kooperation, von der ihm zufolge "alle profitieren", nahe. Die entsprechende Absichtserklärung war 2025 unterschrieben worden. Nach den politischen Gremien in Jüchen und Grevenbroich hat jetzt auch der Mönchengladbacher Stadtrat grünes Licht gegeben. Bis Ende des Jahres soll eine gemeinsame Umsetzungsstrategie entwickelt und eine interkommunale Vereinbarung getroffen werden, in der unter anderem das weitere Vorgehen sowie die gedrittelte Aufteilung von Kosten und späteren Erträgen vereinbart wird.


Entnommen aus der Rheinischen Post, Ausgabe Mönchengladbach, 18. Juli 2026


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