Gewerbegebiet im Bereich Hardt mit Anbindung an den Eisernen Rhein?

ihk magazin - April 2011

interkommunales Gewerbegebiet im Bereich Hardt
mit Anbindung an den "Eisernen Rhein"?

Arbeitsmarkt bleibt das Sorgenkind in Mönchengladbach

"Der Standort Mönchengladbach ist im Strukturwandel weit fortgeschritten, allerdings schlägt sich dies noch nicht im gewünschten Maß auf den Arbeitsmarkt nieder." Mit diesen Worten fasst Heinz Schmidt, Präsident der IHK Mittlerer Niederrhein, die Ergebnisse der neuesten IHK-Standortanalyse für Mönchengladbach zusammen.

Demnach liegt in Mönchengladbach die Zahl der Industriebeschäftigten mit 25,3 Prozent deutlich unter dem Landesdurchschnitt von 29,3 Prozent. Mit der Bauwirtschaft, dem Maschinenbau sowie den Herstellern von elektrischen Ausrüstungen gehören nur noch drei Industriebranchen zu den 15 beschäftigungsstärksten Wirtschaftszweigen in der Stadt. "Von überregionaler Bedeutung sind allerdings auch noch die Textil- und Bekleidungsindustrie sowie die Druckereien, die in Mönchengladbach rund dreieinhalbmal bzw. zweieinhalbmal so stark wie im Landesdurchschnitt vertreten sind", erläutert Schmidt.

Im Dienstleistungsbereich ist die Situation umgekehrt: Hier finden in Mönchengladbach 74,1 Prozent aller Beschäftigten ihren Arbeitsplatz, während es im Landesdurchschnitt 70,2 Prozent sind. Beschäftigungsstärkster Wirtschaftszweig ist der Gesundheits- und Sozialbereich mit einem Anteil von 15,3 Prozent, gefolgt vom Einzelhandel (8,3 Prozent), der öffentlichen Verwaltung (8,2 Prozent) sowie dem Großhandel (6,6 Prozent).

In den distributiven, unternehmensorientierten und haushaltsnahen Diensten liegt der Beschäftigungsanteil leicht über dem Landeswert. Die unternehmensnahen Dienste in der Stadt wie zum Beispiel Ingenieurbüros, Softwarehäuser oder Unternehmensberatungen weisen dabei den vergangenen Jahren die höchsten Beschäftigungszuwächse auf. Schmidt begrüßt diese Entwicklung: "Diese Unternehmen sind gewissermaßen Schmierstoff für die Wirtschaft insgesamt und stärken insbesondere auch die Wettbewerbsfähigkeit der hiesigen Industrie."

So erfreulich der Strukturwandel auch verläuft den Arbeitsmarkt hat er noch nicht im gewünschten Umfang erreicht. So gingen von 1990 bis 2012 in der Mönchengladbacher Industrie rund 22.500 Arbeitsplätze verloren. Im selben Zeitraum wurden im Dienstleistungsbereich zirka 15.500 neue Arbeitsplätze geschaffen. Das bedeutet ein relatives Arbeitsplatzdefizit von 31 Prozent, während landesweit ein überschuss von 17,4 Prozent erzielt werden konnte.

Dennoch zeigt sich Schmidt optimistisch. Denn gesonderte Berechnungen der Analyse belegen, dass sich die Wachstumsstruktur der Mönchengladbacher Wirtschaft in den vergangenen Jahren deutlich verbessert hat und die Standortvoraussetzungen insbesondere für die Dienstleistungsunternehmen immer günstiger wurden.

In einer im Rahmen der Untersuchung durchgeführten Unternehmensbefragung kommt dies noch nicht so deutlich zum Ausdruck. Auf einer Skala von 1 (sehr gut) bis 4 (schlecht) geben die Unternehmer der Stadt eine Durchschnittsnote von 2,25 (IHK-Durchschnitt: 2,19). Erfreulich ist, dass dabei das Themenfeld der "harten" Standortfaktoren wie "Kosten" und "Infrastruktur" mit der Note 2,03 Prozent am besten abschneidet. Das größte Lob erhält dabei die Verkehrsanbindung, aber auch die Kommunikationsinfrastruktur, die Nähe zu Kunden und Zulieferern sowie die öPNV-Anbindung schneiden besonders gut ab.

Für Schmidt bedeutet dies, dass die vorhandenen Stärken weiter ausgebaut werden müssen. Beispielhaft verweist er auf die Reaktivierung des Eisernen Rheins oder die Verlängerung der Schienenstrecke Kaarst-Düsseldorf-Mettmann nach Mönchengladbach und weiter nach Viersen beziehungsweise Venlo. An sie wäre auch der Flughafen Mönchengladbach angebunden. "Dessen Zeit wird kommen, wenn der Flughafen Düsseldorf an seine Kapazitätsgrenzen stößt", zeigt sich Schmidt überzeugt und erinnert in diesem Zusammenhang an die Überlegungen zu einem gemeinsamen Gewerbegebiet der Städte Mönchengladbach, Willich und Korschenbroich am Flughafen.

Um die prognostizierte Steigerung des Güteraufkommens in den niederländischen Seehäfen am Logistikstandort Niederrhein zu bewältigen, müssen geeignete Umschlagplätze eingerichtet werden. Eine von fünf Premiumflächen, die für den IHK-Bezirk ermittelt wurden, ist das interkommunale Gewerbegebiet der Städte Viersen und Mönchengladbach im Bereich Hardt. "Es sollte auf jeden Fall in den neuen Regionalplan integriert werden, könnte es doch an den Eisernen Rhein angebunden werden, wenn dieser entlang der A 52-Trasse verläuft. Damit könnte auch die Stadt Mönchengladbach demnächst über einen zukunftsweisenden Güterumschlagplatz Straße-Schiene verfügen", sagt Schmidt.

Der IHK-Präsident weist darauf hin, dass bereits in absehbarer Zeit in Mönchengladbach geeignete Flächen für das Produzierende Gewerbe knapp werden. Mit Blick auf den Regionalplan, der derzeit erstellt wird, rät die IHK der Stadt nachdrücklich, eine eigene Gewerbeflächenbedarfsanalyse durchzuführen. "Die Städte Neuss und Krefeld haben das bereits getan", sagt Schmidt. "Auf der Basis einer solchen Grundlage lässt es sich wesentlich einfacher mit der Bezirksregierung verhandeln. Darauf sollte Mönchengladbach nicht verzichten."

Die zweitbeste Bewertung mit 2,09 erhielt der Themenbereich "Arbeitskräfte und Qualifikation". Während die Bildungsinfrastruktur positiv bewertet wird, sehen die Unternehmen die Verfügbarkeit und das Qualifikationsniveau der lokalen Arbeitskräfte bestenfalls als zufriedenstellend an. "Das zeigt, dass auch in der Stadt Mönchengladbach der Fachkräftemangel ein wichtiges Thema ist, das in Zukunft noch an Bedeutung gewinnen wird", so Schmidt.

Unterdurchschnittlich schneidet mit einer Note von 2,38 die Beurteilung der Qualität der Innenstadt ab. Deutlich kritisiert werden hier das Stadtbild generell, die Sicherheit, die innerstädtischen Verkehrsverhältnisse und die Einkaufsmöglichkeiten. Der IHK-Präsident sieht die Stadt hier allerdings auf einem guten Weg. "Die für 2014 geplante Eröffnung der Mönchengladbach Arcaden und die Umgestaltung der Rheydter Innenstadt werden dem Oberzentrum Mönchengladbach neuen Aufschwung bringen", zeigt er sich überzeugt. Und nicht nur das: "Mit dem Masterplan verfügt man über ein ausgezeichnetes Gesamtkonzept, an dem insbesondere auch langfristig die Entwicklung der Stadt ausgerichtet werden kann."

Das traditionell am schlechtesten bewertete Themenfeld sind die kommunalen Kosten und Leistungen (Note: 2,53). Insbesondere die Kostenfaktoren wie Steuern und Gebühren werden von den Unternehmern als "nicht mehr zufriedenstellend" eingestuft. Aber auch die Indikatoren für die Qualität der städtischen Leistungen liegen nahezu alle unter der Gesamtdurchschnittsnote von 2,25. Ausnahmen sind lediglich der Service der Wirtschaftsförderung und die Unterstützung bei der Grundstückssuche.

Schmidt bewertet dies auch vor dem Hintergrund der prekären Haushaltslage der Vitusstadt als sehr kritisch. "Eine strukturelle Haushaltssanierung, die insbesondere auf der Ausgabenseite anzusetzen hat, steht für mich ganz oben auf der Agenda. Zur Bewältigung der Zukunftsaufgaben benötigt man eine effizient arbeitende Verwaltung."

Denn die Chancen seien greifbar: "Von dem weit fortgeschrittenen Strukturwandel, der verbesserten Wachstums- und Standortqualität und dem zukunftsprägenden Masterplan sollte eine positive Aufbruchsstimmung ausgehen", sagt der IHK-Präsident. "Das führt dann automatisch zu Beschäftigungswachstum, höheren Einkommen und steigenden Steuereinnahmen."


Quelle: IHK Mönchengladbach 26.07.2013,

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