Stadtpost - Rheinische Post - Dienstag, 6. März 2007
Krach um Lärmschutz: Bürger sollen zahlen
Von GABI PETERS
Das könnte mächtig Ärger geben: Denn die Bürger in Hardt sollen
jetzt doch für die Luxus-Lärmschutzanlage entlang der Autobahn zahlen.
Die bereits erhobenen Erschließungsbeiträge seien rechtmäßig
erfolgt, ließ die Stadtverwaltung gestern mitteilen.
Zu diesem Ergebnis komme nun auch das Zusatzgutachten zu dem schon erstellten
Gutachten. Das heißt: Alle Widersprüche werden abgelehnt, jetzt wird
tatsächlich zur Kasse gebeten.
In Hardt rumort es schon seit Jahren. Der Grund: Entland der A 52 wurde eine 750
Meter lange und 900.000 Euro teure Lärmschutzanlage gebaut. Einen Großteil
der Kosten sollen die Anlieger tragen. Und deshalb flatterten Rechnungen in die
Häuser zwischen Tomper Straße und der A 52 bis zur Nikolausstraße.
Im Schnitt sollen die Grundstückseigentümer 1.000 bis 3.000 Euro bezahlen
- für einen Luxus-Wall, den so keiner wollte, und den einige sogar als völlig
unsinnig bezeichnen. Der Familie Dahmen wurde sogar ein Zahlungsbescheid über
13.000 Euro zugestellt, "für unsere Maschinenhalle, die auf einem 5.000
Quadratmeter großen Gelände steht", sagt Marianne Dahmen.
"Wir haben nun einmal einen landwirtschaftlichen Betrieb." Nicht nur
Familie Dahmen legte Widerspruch gegen die Erschließungsbeiträge ein,
in Hardt gründete sich eine Bürgerinitiative. Dass im Bebauungsplan
die Kosten für eine Lärmschutzanlage mit 90.000 DM und nicht mit 900.000
Euro angesetzt worden waren und zudem immer von einem Wall und nicht von einer
Wall-Wand-Konstruktion die Rede war, hatte zu Irritationen geführt. So wurden
wegen der Ungereimtheiten die Gebührenbescheide erst einmal bei der Stadt
auf Eis gelegt und ein Gutachter eingeschaltet. Der teile die Rechtsauffassung
der Stadt, deshalb gilt: "Die erfolgte zinslose Stundung wird nun aufgehoben."
Das teilte die städtische Pressestelle gestern mit.
Der Gutachter Dr. Friedel Erlenkämper will seine Untersuchungsergebnisse
gemeinsam mit der Bauverwaltung in der nächsten Sitzung der Bezirksvertretung
am Montag, 12. März, 17 Uhr, im Pfarrheim an der Alexander-Scharff-Straße
vorstellen. Der Fachbereich Ingenieurbüro und Baubetrieb habe die rund 80
betroffenen Bürger über den Termin bereits schriftlich informiert, so
die Stadt. Marianne Dahmen weiß dagegen von Betroffenen, die bis gestern
keine Mitteilung hatten. "In unseren Schreiben steht auch nichts davon, dass
wir jetzt doch zahlen müssen." Marianne Dahmen und die übrigen
Mitglieder der Bürgerinitiative wollen sich am Montag die Meinung des Gutachters
anhören. "Wir haben sicherlich noch einige Fragen."