Rheinische Post - Lokales für Viersen, Brüggen, Nettetal, Niederkrüchten, Schwalmtal - Mittwoch, 20. Januar 2010

Skepsis bei Eisernem Rhein


VON GABI LAUE UND ANDREAS REINERS

Kreis Viersen Die Androhung von Bahnchef Rüdiger Grube, wichtige Infrastrukturvorhaben der Bahn darunter den Eisernen Rhein zu kippen, löst im Kreis Viersen gemischte Gefühle aus. Jubelstimmung kommt bei den Gegnern nicht auf.

Zu unklar sind die Erklärungen des Bahnchefs in Berlin, zu ungenau die Aussagen zu einzelnen Projekten, als dass ein mögliches Aus des Eisernen Rheins schon bevorstünde. Denn noch handelt es sich um ein internes Papier der Deutschen Bahn, das politisch überhaupt noch nicht diskutiert worden ist. Deshalb blieben gestern die Reaktionen von Politikern und Verwaltungschefs in der Stadt Viersen und im Westkreis verhalten.

Viersens CDU-Ratsherr Fritz Meies wertete die Aktivitäten des Bahnchefs in Berlin als taktisches Manöver gegenüber der Bundesregierung. Der Eiserne Rhein stehe längst nicht vor dem Aus, meinte Meies, der auch Mitglied im Regionalrat der Bezirksregierung ist.

"Das Thema Eiserner Rhein wird uns weiter beschäftigen." Meies wertete die aktuellen Informationen aus Berlin lediglich als frühzeitigen Start einer neuerlichen Diskussion um das "wichtige Verkehrsinfrastruktur-Projekt in der Region". Er habe geglaubt, dass erst nach der NRW-Landtagswahl am 9. Mai das Thema wieder hoch koche. ähnlich skeptisch bewertete Viersens Bürgermeister Günter Thönnessen die Meldungen.

Es sei überhaupt nicht klar, ob das Projekt generell gestrichen werde oder etwa nur die Neubau-Variante entlang der Autobahn 52. Ganz gleich: Für Viersen bestehe kein Grund zum Jubel. Denn die Stadt sei vom zunehmenden Güterverkehr besonders stark betroffen der Bau des Eisernen Rheins würde die Situation eher noch verschärfen.

Die Viersener SPD-Landtagsabgeordnete Monika Ruff-Händelkes hat indes Anzeichen dafür gefunden, dass die Bahn eher die historische Trasse von Dalheim nach Mönchengladbach reaktivieren werde. "Denn dort wurden Streckenabschnitte modernisiert", sagte sie. Auch sie meint, dass das Thema bald wieder neu in die politische Diskussion kommen werde.

Wie Fritz Meies hält auch Landrat Peter Ottmann den Eisernen Rhein für eine wichtige Verkehrsinfrastrukturmaßnahme. Sie trage dazu bei, mehr Güter auf die Schiene zu verlagern und entlaste damit die Autobahnen in der Region. Meies und Thönnessen warnten erneut davor, nach einer Lösung zu suchen, die die Kreisstadt zusätzlich belasten würde. Gegen den Bau der "Viersener Kurve" werde man sich erbittert zur Wehr setzen.

Niederkrüchten sieht den Eisernen Rhein nur als "Arbeitstitel" und bleibt bei einer abwartenden Haltung, so Baurat Olaf Steinbicker. "Die Trassenführung ist nicht verbindlich bekannt, daher wissen wir nicht, ob es eine Chance oder ein Nachteil für die Gemeinde wäre." Für Reinhold Schulz, Bürgermeister in Schwalmtal, war die RP-Titelgeschichte gestern "erstmal ein Signal, was uns froh stimmt". Für ihn hat Lärmschutz Priorität, darüber hinaus hält Schulz die Pendler-Problematik für bedeutender. So sei der Rhein-Ruhr-Express die wichtigere Frage. "Wenn man Neues schafft, muss man auch über Personenverkehr reden. Vom Eisernen Rhein bin ich nach wie vor nicht überzeugt."



Entnommen aus der Rheinischen Post, Ausgabe Kreis Viersen, 20. Januar 2010

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