Rheinische Post - Lokales für Mönchengladbach bzw. Viersen, Brüggen, Nettetal, Niederkrüchten, Schwalmtal - Freitag, 23. September 2011

Eiserner Rhein: Land für Neubau an der A52


VON LUDGER PETERS

Der Verkehrsausschuss des Landes will die Schienenstrecke Eiserner Rhein von Antwerpen zu den Rheinhäfen endlich verwirklichen. Rot-Grün und die FDP werfen der Bundesregierung vor, die Verbindung verhindern zu wollen.

Der nordrhein-westfälische Landtag hat die Alternativ-Trasse des Eisernen Rheins an der A 52 entlang wieder hervorgekramt. Auf Initiative der FDP-Fraktion verständigte sich gestern die Mehrheit im Verkehrsausschuss darauf, den Neubau dieser Strecke voranzutreiben. Die Reaktivierung der historischen Strecke über Roermond/Dalheim soll aufgegeben werden.

"Wir müssen uns auf den Weg machen, weil es sonst ein anderer macht", begründete der Brüggener FDP-Landtagsabgeordnete Dietmar Brockes den Vorstoß seiner Fraktion. Die FDP hatte sowohl die CDU als auch SPD und Grüne um Unterstützung gebeten. Sie berief sich dabei auf den im Dezember 2007 gefassten Beschluss des Landtags für die A 52-Variante. Aufmerksame Zuhörer aus den Niederlanden und Belgien verfolgten die Diskussion.

Kosten neu berechnet

Zuvor hatte Hans-Theo Kühr vom Ingenieurbüro Vössing eine Untersuchung zur historischen und zur A 52-Trasse vorgestellt. Der zweigleisige Vollausbau der neuen Bahnstrecke auf niederländischer und deutscher Seite kostet nach seinen Berechnungen 615 Millionen Euro. Keine gesicherten Zahlen konnte er für die historische Trasse vorlegen. Eher willkürlich "gegriffen" seien die 150 Mio. Euro für den Ausbau auf deutscher Seite, hinzu kämen die Kosten für die niederländische Strecke. Dabei müssen sechs Kilometer Tunnel unter dem Meinweg berücksichtigt werden. Kühr konnte nur die Kosten eines eingleisigen Ausbaus bei den Nachbarn berechnen. Insgesamt seien dann 530 Mio. Euro fällig.

Der Schwalmtaler CDU-Abgeordnete Dr. Stefan Berger lehnt die Autobahn-Trasse der Schienenstrecke ab. Damit steht er allerdings auch in seiner eigenen Fraktion allein. Politischen Streit gab es dennoch: FDP, SPD und Grüne befürchten, dass die Bundesregierung bewusst an der historischen Trasse festhält, um in Wirklichkeit die Verbindung komplett zu verhindern. Die Befürworter der Neubaustrecke wiesen auch darauf hin, dass der Lärmschutz eine unabdingbare Voraussetzung für den Streckenneubau sein wird. Dies steht so im Beschluss von Dezember 2007.

Südlich bis zum Kaarster Kreuz

Die neue Strecke soll nicht zwischen Mönchengladbach und Viersen auf die vorhandene Trasse geführt, sondern möglichst neu weitergebaut werden. Kühr bevorzugt die nördliche Route über Willich entlang der A 44 bis Strümp. Dort kann der neue Eiserne Rhein auf eine vorhandene Bahntrasse nach Oppum und weiter nach Duisburg geführt werde. Südlich kann die Schienenstrecke bis zum Kaarster Kreuz fortgeführt werden.

Dies hätte den Vorteil, dass dicht besiedelte Innenstädte nicht mehr durchfahren werden. Krefeld erhielte die lang herbeigesehnte Umgehung. Gleichzeitig könnten die Häfen in Neuss, Düsseldorf und Krefeld angeschlossen werden. Ihre Vertreter wiesen im Ausschuss darauf hin, dass sich bis 2030 das Frachtaufkommen allein im Hafen Antwerpen verdoppeln wird. Darauf müss sich das Land unbedingt einstellen.


INFO
Kritik am Bund

Untersuchung
Das Büro Vössing untersuchte die technische Machbarkeit und die Kosten bei der Trassenvarianten.
Urteil der Gutachter:
Die historische Trasse wird nie zu realisieren sein.
Kosten/Nutzen
Kritik übten FDP, SPD und Grüne an Verkehrsminister Ramsauer. Seine Einschätzung basiere auf falschen Annahmen.

Entnommen aus der Rheinischen Post, Ausgabe Mönchengladbach bzw. Kreis Viersen, 23. September 2011

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